Employer Branding neu gedacht: Der Filmemacher und die Hospiz Reportage

Sonntag, 25.01.2026 - Frankfurt am Main

Sie kennen das Problem: Fachkräftemangel ist im Gesundheitssektor eine große Herausforderung, Employer Branding und Personalmarketing sind unverzichtbar, es gibt immer mehr Wettbewerb der Arbeitgeber um Mitarbeitende.

Die Frage, die sich für viele Kommunikatoren, Marketing-Referenten und HR-Abteilungen stellt, ist das “Wie”. Wie erreiche ich Mitarbeitende, die sich bei uns bewerben und zu uns passen? Wie stelle ich sicher, kein Geld für Maßnahmen zu verpulvern , die nicht wirken? 

In diesem Artikel zeige ich Ihnen einen Gegenentwurf zum verstaubten Imagefilm. Oder anders: Wie ich mit meiner Hospiz Reportage “Leben und Tod” 400.000 Menschen bei YouTube erreichte. Mit echter Wertschätzung den Gästen, dem Pflegepersonal und Hospizmitarbeitern gegenüber und einem 45-minütigen Video übers Hospiz, wie ihn so niemand erwartet hätte. Nicht einmal ich als Videoproduzent.



Die wichtigsten Fakten rund um Gesundheitswesen, Pflege und Fachkräftemangel

  • Prognos AG, „Pflegelandschaft Deutschland 2045“

  • Prognos AG

  • StepStone HR-Report

  • Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV)

Notfallsanitäter Luca bei seiner Arbeit im Rettungsdienst der Malteser für die Doku
“Die Retter von Wetzlar” von reportagenalex

Bevor ich Ihnen tiefe Einblicke in meine besondere Herangehensweise gebe, möchte ich Ihnen einen Überblick über die spezifischen Herausforderungen Gesundheitswesen schaffen. 

Employer Branding in Pflege, Rettungsdienst und Co. - die Herausforderungen

Employer Branding im Gesundheitswesen steht vor besonderen Herausforderungen. Eine der Zentralen ist der zunehmende Mangel an qualifizierten Fachkräften.
Experten wie Martin Camphausen und Mathias Brandstädter weisen darauf hin, dass der Übergang vom Fachkräfteengpass hin zu einem akuten Fachkräftemangel bereits vollzogen ist. Für Gesundheitseinrichtungen bedeutet das: Eine klare und glaubwürdige Arbeitgebermarke ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich nach wie vor anspruchsvoll. Schichtdienste, Nacht- und Wochenendarbeit, hoher Zeitdruck sowie emotionale Belastungen gehören zum Berufsalltag. Diese Rahmenbedingungen lassen sich nicht vollständig vermeiden, machen aber umso deutlicher, wie wichtig ein Arbeitsumfeld ist, das Sinn, Professionalität und Wertschätzung in den Mittelpunkt stellt, anstatt ausschließlich bestehende Missstände zu kommunizierenn. 

Hinzu kommt die mediale Wahrnehmung des Pflegeberufs. Gerade seit der Covid-19-Pandemie ist Pflege stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Einerseits wird sie gesellschaftlich mit Respekt und hohem Engagement verbunden, andererseits dominieren in der Berichterstattung häufig negative Schlagzeilen oder überhöhte Heldennarrative. Diese Widersprüchlichkeit wirkt sich nachweislich auf die Attraktivität des Berufs aus, insbesondere bei jungen Menschen und bei potenziellen Auszubildenden mit höherem Bildungsabschluss.

Innerhalb der Pflege selbst wird die Tätigkeit zwar als sinnvoll und gesellschaftlich relevant wahrgenommen, gleichzeitig aber durch hohe Arbeitsbelastung, Fachkräftemangel und fehlende Anerkennung überschattet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zielgruppe in der Pflege nicht homogen ist. Pflegekräfte arbeiten multikulturell, generationsübergreifend und mit sehr unterschiedlichen beruflichen Erwartungen. In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten – von Stipendien- und Finanzierungsmodellen über neue Ausbildungswege bis hin zur Akademisierung der Pflege. Diese Entwicklungen schaffen wichtige strukturelle Voraussetzungen. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch erst dann vollständig, wenn sie durch eine glaubwürdige, authentische Arbeitgeberkommunikation begleitet werden.

Zu diesem Gast im Hospiz entstand eine besondere Nähe. Wir erzählen in der YouTube Reportage seine Geschichte - bis zum Ende. Seine Hand liegt auf meiner, das war kurz vor seinem Tod im Hospiz.


Dreharbeiten für die Hospiz Reportage – Nähe, Verantwortung und Grenzen

Vor dem im vorherigen Abschnitt ausgeführten Berg an Herausforderungen stand ich als Filmemacher.

Mein Auftrag: Eine authentische Reportage, die meine YouTube-Community abholt, aber insbesondere auch die Pflegekräfte im Fokus hat. Der Film soll den Pflegekräften und Hospiz Mitarbeitenden in diesem schwierigen Umfeld maximale Wertschätzung entgegenbringen und das Arbeitsumfeld so abbilden, dass neue Pflegekräfte Lust bekommen, dort zu arbeiten. Selbstverständlich möchte ich den Hospiz-Gedanken einer breiten Öffentlichkeit näherbringen, Ängste vor Tod und Sterben abbauen und ferner dürfen die Leute auch gerne die Arbeit im Hospiz durch Spenden unterstützen.

Da habe ich mir ganz schön was vorgenommen…
Also habe ich mit meinem Kamerakollegen folgenden Entschluss gefasst: Wir gehen die Sache hier nicht strategisch an. Das macht in einem so sensiblen Umfeld wie dem Hospiz keinen Sinn. Die ersten Tage bestanden aus Gesprächen und Beobachten, bewusst war ich allein dort, mit einer kleinen Kamera. Ich merkte schnell, dass das Wichtigste war, wirklich authentisch zu sein. Nicht als Worthülse, sondern Menschen ehrlich zuzuhören, sich selbst zu öffnen und so begann ich, von meinen Ängsten vor Tod und Sterben zu erzählen. Ich kam mit einer Frau ins Gespräch - Franzi - die so jung und fit wirkte, wie ich es im Hospiz nicht erwartet habe. Rund 40 Jahre war sie zum Zeitpunkt der Dreharbeiten alt. 

“Franzi ist gleich soweit, sie schminkt sich noch und macht sich fertig. Sie möchte nur so vor die Kamera”, rief mir die Pflegerin Julia zu. Einige Minuten später stand eine strahlend lachende Frau mit Zigarette in der Hand vor mir. Sie hat beim Hessischen Rundfunk gearbeitet, dann wurde ihr ein sehr schwerer Gehirntumor diagnostiziert. Unheilbar, sie kam nach mehreren Operationen und unzähligen Arztbesuchen in ganz Deutschland zum Sterben ins Hospiz. Ich sagte ganz offen, dass ich sie dort nicht erwartet hätte. Sie lacht und entgegnet: Ich kann es auch nicht ganz glauben. Ob sie Angst vorm Tod hat: “Nein”. 

Ich habe selten einen Menschen erlebt, der so viel Witz, Leichtigkeit und Lebensfreude ausstrahlt. 

Franzi soll noch ein wichtiger Hauptcharakter in meinem Film werden. Und wie es mit ihr ausgeht und, dass es völlig anders als erwartet kommt, war zu diesem Zeitpunkt für niemanden von uns klar.

Filmemacher und Videoproduzent reportagenalex (ich) mit Franzi im Hospiz für die Dreharbeiten zum YouTube Video.

Warum Employer Branding im Gesundheitswesen neu gedacht werden muss

Als ich meine Idee zur Hospiz-Reportage bei der Geschäftsführung im Hospiz vorstellte, herrschte Skepsis. Und ehrlich gesagt sah die Chefin des Hospizes mehr Fallstricke als Chancen. Und ich kann es verstehen, denn erstens gab es so etwas dort noch nie, zweitens ist das Gesundheitswesen, deren Mitarbeitenden und insbesondere das Hospizumfeld unglaublich sensibel und drittens müssen sie einem jungen Filmemacher viel Vertrauen schenken, damit er sich dort so frei bewegen darf.

Die Idee eine Dokumentation im Hospiz zu drehen war für und Neuland. Wir sind tatsächlich mit einer gewissen Skepsis in das Projekt gegangen.
— Dr. med Alexandra Weizel, Geschäftsführerin Sankt Katharinen Krankenhaus und Hospiz Frankfurt

Mit ehrlichem Interesse an den Hospiz-Bewohnern und einem besonders sensiblen Vorgehen gingen wir die Dreharbeiten an. Es entstanden echte Gespräche mit den Gästen im Hospiz, wir lernten Franzi besser kennen und mein Kollege filmte es. Das war auch die Priorität: Wir bauten kein riesiges Set-up auf und filmten es dann, sondern wir unterhielten uns und filmten nebenbei. An manchen Tagen stand die Kamera nur auf einem Stativ. Und genau das funktionierte so gut, weil es ungespielt, ehrlich authentisch war. 

Die fertige Hospiz-Doku auf YouTube

Zwischen Nähe und Distanz, zwischen Freude und Traurigkeit bewegte ich mich als Filmemacher im Hospiz. Das Besondere: Ich musste mehrere Rollen ausfüllen. Zum einen war ich Kameramann mit dem Blick fürs Bild, zum anderen vor der Kamera, aber auch Gesprächspartner und Projektkommunikator. Ferner habe ich die Doku am Ende selbst bearbeitet und geschnitten, die PR mit Medienvertretern übernommen und Einblicke in die Arbeit des Hospizes auf Instagram gegeben. Es war definitiv nicht einfach, aber Wachstum entsteht eben auch nicht in der Kuschelzone.


300.000 Aufrufe nach wenigen Wochen - ein etwas anderes Employer Branding in der Pflege

Neben der enormen Reichweite - zum heutigen Stand haben fast 400.000 Menschen das Video gesehen, hat die Hospiz Dokumentation auch große emotionale Reaktionen ausgelöst. Einige Menschen, die sonst nicht rührselig sind, haben geweint, andere haben sich geöffnet und in den YouTube-Kommentaren ihre persönliche Geschichte erzählt. Von Todesfällen, über ihre Erfahrungen mit Hospizen. Die allermeisten danken den Pflegekräften, Ärzten und anderen Mitarbeitenden im Hospiz für ihre Arbeit. Ein Strom von Dankbarkeit, der bei den Mitwirkenden der Doku und dem gesamten Personal dort für eine enorme Wertschätzung sorgte.

Und übrigens: Franzi zog aus dem Hospiz aus - und zwar lebend! Sie bezog eine eigene Wohnung und entgegen der Erwartung vieler Ärzte ist sie munter und fröhlich. Eine echte Überraschung und wir haben noch Kontakt!


Ein kleiner Ausschnitt der vielen Kommentare zur Hospiz Doku “Leben und Tod” auf YouTube.

Die Hospiz Reportage war nicht immer einfach

Employer Branding ist komplex. Eine Reportage ist komplexer und Dreharbeiten im Hospiz noch viel mehr. Bis zum Ergebnis gab es große Herausforderungen und es war nicht selbstverständlich, dass der Film so komplex und emotional wird.

Alex alias reportagenalex (ich) bei den Dreharbeiten im Hospiz. Vieles von der Atmosphäre habe ich aufgesaugt. Neben lustigen, schönen und natürlich sehr traurigen Momenten gab es auch einige Herausforderungen beim Videodreh.




Herausforderung beim Videodreh: Vertrauensaufbau bei Dreharbeiten

Wie schon beschrieben, herrschte gerade am Anfang eine Skepsis beim Pflegepersonal. Die Kamera war ein Fremdkörper und es war schwer Pflegerinnen und Pfleger als Protagnisten vor die Kamera zu bekommen. Wir hatten auch keinen Referenzfilm, den wir hätten zeigen konnten. Gerade Mitarbeitende von Hospiz, Krankenhaus und Co. - speziell in der Pflege, sind besondere Menschen. Sie haben einen fordernden Job mit teilweise schwierigen Bedingungen, sie erledigen Aufgaben, die ein Großteil der Gesellschaft nicht machen würde. Und in Gesprächen mangelt es an gefühlter Wertschätzung der Gesellschaft, aber oft auch innerhalb des Systems. Ich wette mit Ihnen, dass jeder Pfleger und jede Pflegerin Geschichten erzählten kann, in der sie oder er von der eigenen Führungskraft nicht wertschätzend behandelt wurde.

Führungskräfte im Gesundheitswesen sind nicht zwangsläufig gelernte Führungskräfte, sondern sie sind oftmals in die Rolle hineingewachsen. Weil sie besonders lange dort sind und aufgrund des Fachkräftemangels. Damit möchte ich auf keinen Fall sagen, dass sie schlechte Führungskräfte sind - sie haben es aufgrund der Bedingungen (Stress, Fachkräftemangel, Druck von oben) einfach schwer. Das ganze brüchtige System, Emotionalität, fehlende Wertschätzung, unausgesprochene oder ausgesprochene Konflikte untereinander, das sauge ich als Filmemacher auf. Und damit müssen mein kleines Team und ich bei den Videodrehs irgendwie umgehen.

"Da kommt son YouTuber mit der Kamera, der von der Geschäftsführung geschickt wurde und will jetzt einen Imagefilm drehen.”

Diesen Satz habe ich an einem anderen Ort genauso gehört. Und es ist im Kern die skeptische Haltung uns gegenüber mit der wir arbeiten müssen. Daher bauen wir zu den Entscheidungsträgern ehrliches Vertrauen auf und versuchen sie ins Boot zu holen. In vielen ruhigen Gesprächen vermitteln wir, dass wir für euch Videos machen. Und wir kommunizieren den Mehrwert. Dass es ums darum geht, die interne Wertschätzung bei den Mitarbeitenden zu erhöhen. Und für die Pflegenden selbst ist der Mehrwert oft Unterstützung. Idealerweise schaffen wir es, dass sich motivierte und tolle Kollegen finden. Das kommunizieren wir mit viel Wertschätzung, ohne Druck und mit einer Empathie. Auch das ist Bestandteil der Aufgaben als Filmemacher, YouTuber und Videograf.

Der NDR (Norddeutsche Rundfunk) begleitete die Dreharbeiten und veröffentlichte einen Einspieler für das Magazin “DAS - mit dem roten Sofa”. Zu sehen ist Franzi, ein sehr sympathischer Filmemacher vom NDR und mein damaliger Kameramann.

Zentrale Erkenntnis: Druck rausnehmen

Eine Erwartungshaltung vieler Pflegekräfte ist, dass Abläufe gestört werden oder die Kamera stört. Damit die Kamera und entsprechende Unsicherheiten gar nicht erst aufkommen, schaffen wir eine sehr angenehme Atmosphäre. Dass ich mit meinem Kameramann und Videografen auch befreundet bin und wir eben kein “stocksteifes fünfköpfiges Kamerateam” sind, hilft ungemein. Ohne Ausnahme haben bisher alle im Rettungsdienst, Hospiz, Krankenhaus oder Palliativteam gesagt: Es hat total viel Spaß gemacht, die Angst war innerhalb von zehn Minuten weg”.


Als Fazit kann ich festhalten, dass bei Dreharbeiten im Gesundheitswesen für Employer Branding Videos und/oder Reportagen Fingerspitzengefühl elementar ist. Manchmal wünschte ich, ich hätte Psychologie studiert. Weil es im Grunde vor allem um die immer wiederkehrenden Themen geht: Wertschätzung, Menschen sichtbar machen, Empathie. Auf der anderen Seite bin ich als sensibler und feinfühliger Mensch genau darin so stark. Und das ist vielleicht auch genau der Grund, warum meine Reportagen und Dokus Menschen so sehr emotional erreichen. Für mich als 25-jähriger junger Mann geht die Reise auf jeden Fall weiter. Ob im Hospiz, Rettungsdienst oder irgendwo anders. Mit viel Empathie und Leidenschaft.

Bis bald, euer reportagenalex :-).


Wenn Sie beim Anschauen des Films gedacht haben,
dass auch Ihre Arbeit oder Ihre Organisation sichtbar gemacht werden sollte –
dann können Sie sich gerne bei mir melden.

Per Mail: reportagenalex@email.de