Pflegekräfte gewinnen: Was Arbeitgeber heute wirklich überzeugen müssen
Der Fachkräftemangel in der Pflege gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit.
Während die Zahl pflegebedürftiger Menschen kontinuierlich steigt, suchen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Hospize und ambulante Dienste bereits heute händeringend nach qualifiziertem Personal.
Die Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes könnten bis zum Jahr 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Pflegepersonal auf rund 2,15 Millionen Beschäftigte an. Auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wächst kontinuierlich. Ende 2023 waren in Deutschland bereits rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis 2055 könnte diese Zahl auf 6,8 Millionen steigen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Einrichtungen dieselbe Frage:
Wie gewinnt man heute überhaupt noch Pflegekräfte?
Der Arbeitsmarkt hat sich verändert
Viele Jahre lang bestand Recruiting vor allem darin, offene Stellen auszuschreiben.
Heute reicht das oft nicht mehr aus.
Pflegeberufe zählen seit Jahren zu den größten Engpassberufen in Deutschland. Die Bundesagentur für Arbeit führt Pflegeberufe regelmäßig in ihrer Fachkräfteengpassanalyse auf. Neue Mitarbeitende zu gewinnen bleibt überdurchschnittlich schwierig.
Die Folge:
Pflegekräfte können zunehmend selbst entscheiden, wo sie arbeiten möchten.
Arbeitgeber konkurrieren nicht mehr nur mit der Einrichtung im Nachbarort, sondern mit einem gesamten Arbeitsmarkt.
Warum viele Stellenanzeigen kaum Wirkung entfalten
Wer heute Stellenanzeigen verschiedener Einrichtungen vergleicht, entdeckt häufig dieselben Formulierungen:
Faire Vergütung
Flexible Arbeitszeiten
Fortbildungen
Betriebliche Altersvorsorge
Modernes Arbeitsumfeld
Diese Angebote sind wichtig.
Das Problem ist aber:
Fast alle kommunizieren dieselben Vorteile.
Für Bewerber entsteht dadurch kaum ein Unterschied.
Die eigentlichen Fragen bleiben oft unbeantwortet:
Wie ist die Stimmung im Team?
Wie hoch ist die Belastung?
Wie gehen Kolleginnen und Kollegen miteinander um?
Wie wird mit schwierigen Situationen umgegangen?
Wie fühlt sich die Arbeit wirklich an?
Menschen bewerben sich bei Menschen
In den vergangenen Jahren durfte ich Reportagen in Hospizen, sozialen Einrichtungen und im Rettungsdienst begleiten.
Dabei ist mir etwas aufgefallen:
Menschen interessieren sich selten für Marketingbotschaften.
Sie interessieren sich für andere Menschen.
Für Bewerber macht es einen enormen Unterschied, ob sie eine Hochglanzbroschüre sehen oder einer Pflegefachkraft zuhören, die ehrlich über ihren Beruf spricht.
Authentizität lässt sich kaum künstlich erzeugen. Man erkennt si e sofort. Und man erkennt ebenso schnell, wenn sie fehlt.
Die Zahlen zeigen: Der Wettbewerb wird härter
Die Herausforderungen der kommenden Jahre sind enorm.
Laut Bundesagentur für Arbeit arbeiteten 2025 rund 1,72 Millionen Menschen in Pflegeberufen. Gleichzeitig bleiben viele Stellen unbesetzt und die Nachfrage nach Pflegepersonal wächst weiter.
Hinzu kommt die demografische Entwicklung:
Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen nach und nach das Alter mit erhöhtem Pflegebedarf. Dadurch steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen deutlich schneller als die Zahl verfügbarer Fachkräfte.
Für Arbeitgeber bedeutet das:
Recruiting wird langfristig eine strategische Aufgabe.
Keine kurzfristige Maßnahme.
Sichtbarkeit wird zum Wettbewerbsvorteil
Viele Einrichtungen leisten jeden Tag beeindruckende Arbeit.
Das Problem:
Niemand bekommt sie zu sehen.
Während Unternehmen aus anderen Branchen längst auf Social Media, Karriereseiten und Videos setzen, verlassen sich viele Einrichtungen noch immer hauptsächlich auf klassische Stellenanzeigen.
Dabei möchten potenzielle Bewerber heute einen realistischen Eindruck erhalten.
Sie möchten sehen:
Wer arbeitet dort?
Wie sieht der Alltag aus?
Welche Werte werden gelebt?
Wie wirkt das Team?
Genau hier entstehen Vertrauen und Interesse.
Warum Recruiting-Videos in der Pflege funktionieren können
Ein Recruiting-Video kann vieles leisten. Es kann Aufmerksamkeit schaffen, Interesse wecken und Menschen einen ersten Eindruck vermitteln. Was es allerdings nicht kann, ist eine Unternehmenskultur ersetzen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was erleben Bewerber, wenn sie einen Blick hinter die Kulissen werfen?
Aus meiner Erfahrung wirken gerade die Videos besonders stark, die den Arbeitsalltag so zeigen, wie er tatsächlich ist. Echte Mitarbeitende, echte Situationen und ehrliche Einblicke schaffen häufig mehr Vertrauen als jede perfekt inszenierte Kampagne.
Denn am Ende möchten Menschen wissen, wie sich die Arbeit anfühlt. Genau diese Glaubwürdigkeit macht oft den Unterschied zwischen einem kurzen Interesse und einer tatsächlichen Bewerbung.
Employer Branding beginnt lange vor der Bewerbung
Viele Einrichtungen investieren viel Zeit in Recruiting und Kommunikation. Das ist wichtig. Trotzdem beginnt Employer Branding aus meiner Sicht an einer anderen Stelle.
Nämlich dort, wo Menschen jeden Tag zusammenarbeiten.
Denn die stärkste Arbeitgebermarke entsteht nicht durch Werbeslogans, sondern durch die Erfahrungen der eigenen Mitarbeitenden. Sie entscheiden letztlich darüber, wie glaubwürdig eine Organisation wahrgenommen wird.
Wenn Beschäftigte sagen: „Genau so ist es bei uns“, dann passt das Bild nach außen zur Realität im Inneren. Und genau daraus entsteht Vertrauen – eine der wichtigsten Voraussetzungen, um neue Mitarbeitende zu gewinnen.
Was erfolgreiche Einrichtungen gemeinsam haben
Arbeitgeber, die langfristig Pflegekräfte gewinnen, verfolgen häufig ähnliche Ansätze:
Sie zeigen echte Menschen
Nicht Models. Nicht Schauspieler. Mitarbeitende.
Sie kommunizieren ehrlich
Herausforderungen werden angesprochen statt versteckt.
Sie investieren in Sichtbarkeit
Regelmäßig und langfristig.
Sie erzählen Geschichten
Nicht nur Stellenangebote.
Sie denken langfristig
Recruiting wird als dauerhafte Aufgabe verstanden.
Nicht als Notlösung bei Personalmangel.
Fazit
Der Fachkräftemangel in der Pflege wird in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen für Einrichtungen und Organisationen bleiben.
Wer Pflegekräfte gewinnen möchte, braucht deshalb mehr als Stellenanzeigen und Benefits.
Menschen möchten wissen, wie die Arbeit wirklich aussieht.
Sie möchten Kolleginnen und Kollegen kennenlernen.
Sie möchten Vertrauen aufbauen, bevor sie eine Bewerbung schreiben.
Genau deshalb gewinnen authentische Einblicke, Reportagen und glaubwürdige Arbeitgeberkommunikation zunehmend an Bedeutung. Denn Menschen bewerben sich am Ende bei Menschen.
Wie viel ein Imagefilm oder ein Recruitingvideo kosten, habe ich in diesem Blogartikel zusammengefasst.
Quellen
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Bundesagentur für Arbeit
Fachkräfteengpassanalyse der BA
Pflegekräftevorausberechnung Destatis